DER HERR IST AUFERSTANDEN, ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN!clip_image002

Liebe Gemeindemitglieder in Nordspanien,

Können Sie diesen Satz voll Freude nachsprechen – oder gehören Sie eher zu den Zweiflern des Ostergeschehens? Wie kann ein Toter auferstehen? Haben sich die Jünger da nicht etwas zurechtphantasiert? Und warum ist die Auferstehung nicht genauso ein Faktum wie die Kreuzigung? Warum wandert Jesus nicht von Pontius zu Pilatus und zeigt allen, dass er wieder da ist? Warum geht er nicht einfach nach Jerusalem in den Tempel und lässt seine Mauern einstürzen?

Ich glaube, die Frage ist zugleich die Antwort. Die Auferstehung ist nicht genau so ein Geschehen wie die Kreuzigung! Die Auferstehung ist ein Neuanfang. Unser Leben ist ein dickes Buch, die Auferstehung dagegen ein leeres Blatt. Wir bekommen die Chance, die Dinge anders zu sehen. Wir müssen nicht mehr den Tod anstarren, sondern erkennen das Leben, das vor uns steht. Zunächst ist es schwer zu erkennen. Aber jedes Osterfest gibt uns die Möglichkeit, unseren Weg anders fortzusetzen als wir ihn begonnen haben. Dabei entsteht der neue Weg dadurch, dass wir einfach losgehen. So wie es die Frauen taten, und am Grab treffen sie Jesus, der zu ihnen sagt: “Seid gegrüßt!” Die nachfolgende österliche Parabel macht uns deutlich, dass es gar nicht immer so einfach ist, die Dinge wirklich zu erfassen und zu verstehen:

Es war einmal ein Mensch, der hatte Mitleid mit den Raupen, die sich Stunde für Stunde vorwärtsplagten, mühselig die Stängel erkletterten, um zu fressen – keine Ahnung von der Sonne, dem Regenbogen in den Wolken und den Liedern der Nachtigall! Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen ahnen würden, was ihnen als Schmetterling blühen wird; sie wären jetzt ganz, anders lebensfroher, zuversichtlicher, mit viel mehr Hoffnung. Sie würden erkennen: Das Leben besteht nicht nur aus Fressen und der Tod ist nicht das Letzte. So dachte der Mensch und er sagte zu ihnen: “Ihr werdet frei sei! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren! Ihr werdet mühelos fliegen können und Blüten finden! Und Ihr werdet schön sein.” Aber die Raupen hörten gar nicht hin. Das Zukünftige, das Schmetterlings-hafte ließ sich nicht in die Raupensprache übertragen. So versuchte er es mit Vergleichen: Es wird sein wie auf einem Feld mit Möhrenkraut… Sie nickten und mit ihrem Raupen-horizont dachten sie nur ans endlose Fressen. Nein, so ging es nicht. Und als der Mensch ihnen sagte, dass ihr Puppensarg nicht das Letzte sei, dass sie sich verwandeln und ihnen über Nacht Flügel wachsen würden, da sagten sie zu ihm:”Hau ab, du spinnst! Du hältst uns nur vom Fressen ab!

Ich wünsche uns allen, dass wir in unserem Leben die Erfahrung von Verwandlung machen dürfen.

Ihre Pfarrerin Gaby Remus

Kommentare sind geschlossen.